Johannes Meyer-Ingwersen (1940-2000)

Ein Musterbeispiel für das in der Bundesrepublik mittlerweile erreichte Ausmaß der Gesinnungsschnüffelei“, nannte eine 1976 erschienene Broschüre der baden-württembergischen Initiativen gegen Berufsverbote das, was diesem früh verstorbenen Kollegen widerfuhr.

 

Im Nachruf (pdf auf uni-due.de) (pdf lokal) auf den nach einhelligem Urteil wirklich exzellenten Sprachwissenschaftler aus der Universität Duisburg-Essen kommt die für ihn nervenzehrende, für das deutsche Wissenschaftssystem zutiefst beschämende und jeder "Freiheit der Wissenschaft" Hohn sprechende Episode seiner jahrelangen, ausschließlich politisch motivierten Ausgrenzung überhaupt nicht vor.
 
 
Aus einer Dokumentation des Solidaritätskomitees, das 1972/73 an der Universität Stuttgart wirkte, veröffentlichen wir hier
seinen Lebenslauf (Stand 1973) (pdf-Datei) und
einen Beitrag aus der "Frankfurter Rundschau" vom 10.08.1972 (pdf-Datei), der an Meyer-Ingwersens konkretem Fall aufzeigt, wie die einzelnen Bundesländer den ein halbes Jahr zuvor vereinbarten "Radikalenerlass" eifrig umsetzten.
 
Außerdem die Seiten zu seiner Entlassung in Stuttgart (pdf-Datei) (vorne ergänzt um eine 1976 veröffentlichte Zusammenfassung der weiteren Ereignisse)
und zu den gegen den ausdrücklichen Willen der Hochschulen durchgesetzten Ablehnungen für H4-Professuren
an der Gesamthochschule Kassel (pdf-Datei),
Universität Oldenburg (pdf-Datei),
Universität Bremen (pdf-Datei),
Universität Gießen (pdf-Datei) und
für eine Dozentenstelle an der Pädagogischen Hochschule Esslingen (pdf-Datei).
 
An der Universität Duisburg-Essen, wo er schließlich auf einer Projektstelle landete, erhielt er erst 1986 - im Alter von 46 Jahren also - einen unbefristeten Vertrag.
 

In Baden-Württemberg zeichnete dafür der CDU-Kultusminister Wilhelm Hahn (1909-1996) verantwortlich, dessen zeitweilige Amtsnachfolgerin Annette Schavan (geb. 1955), unbelehrt, noch 2004 das versuchte Berufsverbot gegen Michael Csaszkóczy betreiben ließ.

In allen übrigen Fällen waren dies seine damaligen sozialdemokratischen Amtskollegen:

in Hessen Ludwig von Friedeburg (1924-2010), zeitweiliger Direktor des Frankfurter Instituts für Sozialforschung, als Bildungspolitiker laut Wikipedia "in den 1970er Jahren ... für mehr Chancengleichheit durch Bildung" engagiert;

in Niedersachsen der als "links" geltende Peter von Oertzen (1924-2008), der laut Wikipedia später seine "Bejahung der Berufsverbote für seinen größten politischen Fehler" hielt;

in Bremen Moritz Thape (geb. 1920).

 

Falldarstellung für den „Runden Tisch“ in Baden-Württemberg am 19.06.2015

Bericht über Johannes Meyer-Ingwersen (mit einer von ihm verfassten Übersicht über die Geschichte der Berufsverbote) in der Ausgabe 3/2015 der Zeitschrift „Aktiver Ruhestand, die die GEW Baden-Württemberg für ihre Mitglieder im Renten- und Pensionärsalter herausgibt (Seite 9).